Die Nacht wird deinen Namen tragen

Laura und Maximilian, eine Italienerin und ein Deutscher, verlieben sich während eines Sommers. Dauerhaft ist ihre Liebe - wie der Marmor aus den Bergen von Lauras Dorf – und ebenso zerbrechlich, denn die Zeitläufte stellen sie auf verschiedene Seiten.
Ein Roman um Liebe, Verrat, Schuld und Vergebung, der fast ein Jahrhundert deutsch-italienischer Geschichte umspannt.

Die Himmelsleiter

Der Schweizer Physiker und Nobelpreisträger Massimo Altomonte kommt bei einem mysteriösen Unfall ums Leben. Thomas Heilant, ein Journalist und früherer Weggefährte Altomontes, begibt sich nach Genf, um die Umstände seines Todes aufzuklären. Im Zuge dieser Ermittlungen gerät er selbst immer mehr ins Zentrum des Geschehens.

Die Nacht wird deinen Namen tragen

Laura und Maximilian, eine Italienerin und ein Deutscher, verlieben sich während eines Sommers. Dauerhaft ist ihre Liebe - wie der Marmor aus den Bergen von Lauras Dorf – und ebenso zerbrechlich, denn die Zeitläufte stellen sie auf verschiedene Seiten.
Ein Roman um Liebe, Verrat, Schuld und Vergebung, der fast ein Jahrhundert deutsch-italienischer Geschichte umspannt.

Die Himmelsleiter

Der Schweizer Physiker und Nobelpreisträger Massimo Altomonte kommt bei einem mysteriösen Unfall ums Leben. Thomas Heilant, ein Journalist und früherer Weggefährte Altomontes, begibt sich nach Genf, um die Umstände seines Todes aufzuklären. Im Zuge dieser Ermittlungen gerät er selbst immer mehr ins Zentrum des Geschehens.

Keine Besprechung, kein Telefongespräch, kein wie immer gearteter Austausch von Unverbindlichkeiten, wo einem nicht in Sekundenabständen ein triumphierendes Genau! entgegenschallt. Selbst beim gemeinsamen Fernsehen im angeblich so trauten Familienkreis lässt sich ab und an ein nur mühsam unterdrücktes Brummeln vernehmen. Tatsächlich sind Vielseitigkeit und Anpassungsvermögen seine eigentliche Stärke. Je nachdem, was wir berichten, antwortet uns ein trauriges, von einem kleinen Seufzer untermaltes oder ein leises, resigniertes, vielleicht gespielt kleinlautes Genau!, dann wieder ein kühles, lehrerhaftes oder ein geradezu endgültiges, zweisilbig betontes Ge-nau!, sozusagen der große Bruder, die Kurzform von Ganzgenau!.

Wir sind bestens damit vertraut, dass die Zeitalter heutzutage fast so schnell wechseln wie die Preistafeln an den Tankstellen. Niemanden verwirrt es, dass auf die Moderne die Postmoderne folgt und dass in der Neo-Moderne die Neo-Postmoderne nicht allzuweit sein kann. Und doch scheinen wir für die wirklich epochalen Veränderungen blind zu sein. Ganz ehrlich, mir geht es genauso. Wäre nicht diese Kollegin gewesen, eine im klinischen Sinn besonders auffällige Symptomträgerin, wer weiß, wie viele Monate oder Jahre es gedauert hätte, bis ich den heißen Atem des Zeitgeistes im Nacken gesprüt hätte.

Es gibt womöglich keine anderes Phänomen, das unsere Zeit so einfach und zugleich treffend auf den Punkt bringt, wie diese fünf Buchstaben. Vergessen Sie alle Worte oder Un-Worte des Jahres, den Asylbetrüger, die ethnische Säuberung, die Standortsicherung und das Millenium. Das Wort des Jahrzehnts führen wir alle im Munde, sprechen es arglos ein paar hundert Mal am Tag aus und merken es nicht einmal!

Was aber bedeutet Genau! eigentlich genau? Es ist mehr als ein Ja, mehr als Zustimmung oder Bestätigung. Als eine Art kategorische Affirmation gibt es uns uneingeschränkt Recht, gleichzeitig gibt es unserem Gesprächspartner mindestens genauso Recht. Könnte dieser das von uns Gesagte sonst so eindeutig bestätigen? Es bedeutet also etwa: "Du hast da etwas vollkommen Richtiges gesagt, und, glaube mir, ich kann es beurteilen, ich hätte es nämlich ganz genauso sagen können!" Es versichert uns also, dass es eine objektive Wahrheit gibt, auf die wir uns verlassen können. Wie sonst könnten sich zwei Menschen so einig sein?

Wenn Sie meiner Argumentation bis hierin willig gefolgt sind, und ich hatte bisher keine Mühe, ihre gedanklichen Genau!'s zu antizipieren, werden Sie sich jetzt vermutlich das Gleiche fragen, was ich mich auch schon gefragt habe. Was war eigentlich vorher? Wenn wir mit einigem Recht von einem Paradigmenwechsel sprechen - und wer tut das nicht gerne? - bliebe zu klären, was denn eigentlich von dieser stillen sprachlichen Revolution hinweggefegt wurde.

Kommen Sie darauf? Genau! Abgelöst wurde nichts Geringeres als die Irgendwie-Irgendwo-Zeit. Die Älteren unter uns werden sich erinnern. In den Siebzigern hätte man noch zweifellos eingeworfen: "Ich finde das irgendwie unheimlich wichtig, was du da gerade gesagt hast." Um wie viel einfacher und klarer, fast ist man geneigt zu sagen, genauer, ist demgegenüber das heutige Genau!

Nun ist über die Irgendwie-Irgendwo-Zeit so viel geschrieben worden, dass wir dieses Wissen getrost als Allgemeingut betrachten können. Fragen wir uns statt dessen, wie es zu dieser gewaltigen sprachlichen Umwälzung kommen konnte. Wie konnte die Irgendwie-Irgendwo-Zeit zur Genau!-Ära mutieren? Fehlt das nicht ein wichtiges evolutorisches Bindeglied, werden Sie sich fragen. Auch hier kann ich Ihnen nur ein fröhliches Genau! entgegenrufen.

Wenn Sie diesen Text noch einmal lesen (das ist selbstverständlich konjunktivisch gemeint), werden sie bemerken, dass ich sie eigentlich schon auf die Lösung vorbereitet habe. Haben Sie es gemerkt? Na also! Ich meine natürlich, genau! Die 80er- und der Anfang der 90er-Jahre waren eine Epoche des Übergangs, wir können von den Jahren der Eigentlichkeit sprechen.

Das Irgendwie mutierte zum Eigentlich. Ein Eigentlich, das Widerspruch anmeldete, aber noch der vagen Zustimmung der Irgendwie-Irgendwo-Zeit verhaftet blieb. Wenn auch ambivalent, traute es sich noch nicht, das Irgendwie zum Teufel zu jagen. Aber es wollte mehr. Es bedeutete so etwas wie tatsächlich oder in Wirklichkeit. Hieß es vorher typischerweise irgendwie, ja wandelte sich die klassische Wendung zu einem eigentlich nicht, zur tentativen Verneinung. Erst heute wissen wir, was wir damit sagen wollten. Eigentlich war uns das Irgendwie irgendwo zu wischiwaschi. Ging es nicht ein bisschen eindeutiger, präziser, ahnen Sie es?, genauer?

In der leuchtenden Klarheit der Genau!-Ära angekommen, fällt es uns heute leicht, abfällig auf die Niederungen der Irgendwie-Irgendwo-Zeit und der Jahre der Eigentlichkeit hinabzublicken. Wie kein anderes Wort vereinigt Genau! Tüchtigkeit, Anerkennung und, geben wie es zu, Besserwisserei auf sich. Angesichts der Unwägbarkeiten der Zeite ist es auch wie Pfeifen im dunklen Wald. Schön, dass uns jemand antwortet, sagen Sie? Genau!