Die Nacht wird deinen Namen tragen

Laura und Maximilian, eine Italienerin und ein Deutscher, verlieben sich während eines Sommers. Dauerhaft ist ihre Liebe - wie der Marmor aus den Bergen von Lauras Dorf – und ebenso zerbrechlich, denn die Zeitläufte stellen sie auf verschiedene Seiten.
Ein Roman um Liebe, Verrat, Schuld und Vergebung, der fast ein Jahrhundert deutsch-italienischer Geschichte umspannt.

Die Himmelsleiter

Der Schweizer Physiker und Nobelpreisträger Massimo Altomonte kommt bei einem mysteriösen Unfall ums Leben. Thomas Heilant, ein Journalist und früherer Weggefährte Altomontes, begibt sich nach Genf, um die Umstände seines Todes aufzuklären. Im Zuge dieser Ermittlungen gerät er selbst immer mehr ins Zentrum des Geschehens.

Die Nacht wird deinen Namen tragen

Laura und Maximilian, eine Italienerin und ein Deutscher, verlieben sich während eines Sommers. Dauerhaft ist ihre Liebe - wie der Marmor aus den Bergen von Lauras Dorf – und ebenso zerbrechlich, denn die Zeitläufte stellen sie auf verschiedene Seiten.
Ein Roman um Liebe, Verrat, Schuld und Vergebung, der fast ein Jahrhundert deutsch-italienischer Geschichte umspannt.

Die Himmelsleiter

Der Schweizer Physiker und Nobelpreisträger Massimo Altomonte kommt bei einem mysteriösen Unfall ums Leben. Thomas Heilant, ein Journalist und früherer Weggefährte Altomontes, begibt sich nach Genf, um die Umstände seines Todes aufzuklären. Im Zuge dieser Ermittlungen gerät er selbst immer mehr ins Zentrum des Geschehens.
Ein deutsch-italienischer Familienroman

2003

ISBN 3-502-11410-2 (Hard-Cover - 2003)
ISBN 3-596-16247-5 (Taschenbuch - 2005)
ISBN 3-942574-04-4 (Pdf-Ausgabe - 2010)
ISBN 3-942574-05-1 (epub-Ausgabe - 2010)


Im Sommer 1925 trifft der junge Hamburger Maximilian von Kampen in dem kleinen italienischen Badeort Portoclemente ein. Für ihn bedeutet dieser Urlaub Abschied und Aufbruch zugleich, denn nach der Rückkehr nach Deutschland wird er seine Jugendliebe Anne heiraten und den Verlag seines Schwiegervaters übernehmen. Der Sommer zwischen Meer und schneeweißen Marmorbergen jedoch verändert alles. Während das Dorf die lizzata, den gefährlichen Transport eines riesigen, makellos weißen Marmorblocks, ein Geschenk für den Duce, hinunter zum Hafen feiert, verliebt sich Maximilian in Laura, die Tochter seiner Wirtsleute. Er beschließt, nur kurz nach Deutschland zurückzugehen und dann für immer in Italien und bei Laura zu bleiben. Doch es vergehen achtzehn Jahre, bis Maximilian zurückkehrt – als Offizier der Wehrmacht und ohne zu wissen, dass er einen Sohn hat.


Für meinen Sohn


How can I go forward when I don't know which way I'm facing?
How can I go forward when I don't know which way to turn?
How can I go forward into something I'm not sure of?
Oh no, oh no…

John Lennon, How? 1971

Prolog

Am Abend seines Todes saß Maximilian von Kampen auf der Terrasse seines Hauses und blinzelte in die tiefstehende Sonne, die groß und rot über dem Meer stand. Er schaukelte das Kind, das auf seinem Schoß schlief, das Kind, das seinen Vornamen trug (Maximilian, was für ein altmodischer Name!) . Sein Sohn, nein, verbesserte er sich, sein Enkel, sein Urenkel. Und doch war es in gewisser Weise das Gleiche, auch wenn er seinen Sohn nie geschukelt hatte und auch seinen Enkel nicht. Die Dinge in meinem Kopf beginnen zu verschwimmen, eine ganze Weile schon, dachte er. Sie gingen ineinander über, Köpfe, die sich über andere Köpfe legten, Gesichter, die anderen ähnelten, mit ihnen verschmolzen, bis nur noch eine Hand voll Menschen seine Welt bevölkerte, Räume, Wohnungen, ganze Häuser, die sich miteinander versöhnten und zu den labyrinthischen Stätten seiner Träume wurden. Zeitlebens hatte er von endlosen Gebäuden geträumt: Gänge mit unzähligen Türen, Treppen, denen er hinauf- und hinabfolgte, stets auf der Suche nach etwas, und doch musste er vor dem nächsten verschlossenen Durchgang einhalten, um einen neuen Weg zu finden. Seine Mutter fiel ihm ein, die kurz vor ihrem Tod die eigenen Kinder verwechselte und ein Zimmer erfand, dass es schon zwanzig Jahre nicht mehr gab.

Über ihm senkten sich die großen schwarzen Vögel auf dem Weg zu ihrem Horst. Sie flogen eine lange Schleife über das Meer, um schließlich in die Spalte des Horizonts einzutauchen und verschluckt zu werden. Er sah ihnen nach. Er dachte an den Vater des Kindes, das in seinem Arm schlief, an Pierino, und wie immer, wenn er ihn vor sich sah, ihn sich vorstellte, ernst auf seine Anzeigen starrend im Pilotensitz jenes seltsamen Flugzeugs mit dem riesigen Schirm auf dem Rücken, zog sich etwas in ihm zusammen.

Der alte Mann streichelte das Ärmchen des Kindes. Es fühlte sich kühl und glatt an. Die Haut war weich, und er konnte sie drücken und spüren, wie sie den Druck erwiderte, als sei das Leben in ihr tatsächlich so stark, dachte er, als sei sie so voll davon, dass sie es nur mit Mühe zurückhalten konnte. Seine eigene Hand dagegen war weiß und fleckig, trocken wie ein abgestorbener Ast.

Es war der Abend seines Todes, und ohne die genaue Stunde zu kennen, war er sich dessen bewusst wie jeder, der ein Alter erreicht hat, in dem es keine Rolle spielt, ob es noch ein Tag ist, der bleibt, eine Woche oder ein Monat.

Durch Maximilians dünne Baumwollhosen stach die Kälte des abendlichen Frühlings. Die Terrassentür war noch geöffnet. Aus dem Innern des Hauses drang die leise Stimme von Pierinos Frau, die mit Annalisa sprach. Bald würde sie das Kind holen. Vielleicht, um diesen Zeitpunkt hinauszuzögern, fasste er den Kleinen fester und stand auf. Zwischen den Oleandern und Geranien hindurch ging er mit kurzen, unsicheren Schritten auf die hintere Terrasse hinaus.

Hier war es noch ein wenig dunkler. Nur oben, oberhalb der tausend Meter glühten die Berge im Restlicht der im Meer versunkenen Sonne, brannten die weißen Geröllhalden, die glatten, senkrechten Wände der Steinbrüche in einem rauchlosen Feuer. Das Kind an sich gedrückt, sah er hinauf, folgte dem weiten Halbrund der Kämme nach Norden bis an die Stelle, an der sie sich verzweigten. Eine niedrige Hügelkette schob sich aufs Meer hinaus. Jenseits davon, in einer tief eingeschnittenen Bucht, lag die Hafenstadt. Davor ein schmales Tal, das mit dem Fluss von den Bergen hinabstieg und sich zu einem kleinen Delta verbreiterte.

Der Fluss. Dorthin blickte er lange. Seine Augen tränten, als er versuchte, den grauen Dunst zu durchdringen, durch das Dunkel hindurch die Olivenbäume zu erahnen auf ihren Terrassen, die Kastanien oberhalb davon, das undurchdringliche Gestrüpp, das nach Rosmarin roch und nach Brombeeren. Ein Schleier hatte sich über seinen Blick gelegt, und vielleicht war es die Anstrengung, mit der er sich zu erinnern versuchte, die seine Beine zittern ließ.

Das Kind in seinem Arm bewegte sich, öffnete und schloss den Mund mit einem leisen Schmatzen. Auch er selbst hatte Hunger, aber es war nur ein Ziehen in der Magengegend, das er verspürte, fremd und ohne Bedeutung, fast so, als gehöre es nicht mehr zu ihm. Noch immer starrte er hinauf zu den Bergen. Die wenigen Lichter der Bergdörfer zitterten wie weit entfernte Sterne, und hinter dem höchsten der Berge wuchs der milchweiße Hof des aufgehenden Mondes.

Der nahende Tod schien ihm plötzlich wie ein Ziel, auf das hin sein Leben sich verengte, seit Jahren schon, vielleicht seit jenem Tag, an dem er beschlossen hatte, die Schule zu verlassen, um sich seinen Anteil am Ruhm des Reiches zu sichern. Georg und er. Er und Georg.

Wie viele Möglichkeiten hat man mit zwanzig, mit achtzehn, mit siebzehn?, dachte er. Aber mit jeder Entscheidung, die man traf, so schien es ihm an diesem Abend, starb man ein Stück. Indem man eine Wahl traf, indem man etwas wurde, verwarf man zugleich unzählige andere Möglichkeiten. Welch ungeheure Verschwendung! Konnte eine einzelne Sache so wertvoll sein, dass man um ihretwillen auf alle anderen verzichtete, konnte ein Mensch so wichtig sein? Wie war das möglich? Konnte es eine Frau geben, die alle anderen aufwog, die man nicht heiratete? Das Kind, das man zeugte, der Beruf, dem man sich verschrieb? Wie leichtfertig nahm man das eine oder das andere, begnügte sich mit dem nächstbesten, dem nahe Liegenden, ohne den Schmerz des Verlustes zu erahnen, der einem in späteren Jahren die Nächte schwer werden ließe.

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Zum ersten Mal seit langer Zeit sah er sein Leben vor sich, die fast hundert Jahre, die ihm vergönnt gewesen waren, die fast hundert Jahre, zu denen er verdammt gewesen war. Es war kein gleichmäßiges Band, das er vor sich sah, es gab Knoten, Verdickungen, in denen sich seine Vergangenheit ballte, zu pochen schien, als wolle sein Leben hinausplatzen aus den ihm zugewiesenen Orten und Zeiten, und es gab dünne Fäden entlang deren es sich zog, als würde es nur einer Winzigkeit bedürfen, um zu reißen, abzureißen für immer.

Eine Hand voll Zufälle hatte sein Leben entschieden. Merkwürdig, dachte er, wie einfach es aussieht, blickt man zurück. Ein Nein, das ein Ja hätte werden können, ein Wort, ein Satz, statt Schweigen. Kleinigkeiten, Zufälle. Eine Frau, die man küsst oder nicht küsst, eine Hand, die man zurückzieht, anstatt zuzupacken, festzuhalten. Er dachte an Georg, seinen besten Freund und Schulkameraden, an seinen Schwiegervater damals in der Dunkelheit jener Höhle, an seinen sterbenden Sohn. Er dachte an Laura, an das Land, das ihm zu einer zweiten Heimat geworden war, trotz jener drohenden Dörfer oben auf dem Berg, und an seine alte Heimat, seine eigentliche. Merkwürdig, dachte er, wie wenig er verstand, wie wenig Plan und Ziel hinter all dem zu stecken schien, merkwürdig, dass er trotz des Alters, das er erreicht hatte, noch immer keinen tieferen Sinn in dem sah, was er getan hatte, was er getan hatte und was ihm widerfahren war.

 

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Epilog

Das Kind war jetzt wach. Es strampelte in seinem Arm. Mit großen blauen Augen griff es nach seinem Finger, nach seiner Hand. Massimiliano! flüsterte Maximilian von Kampen und lächelte. Das Kind brabbelte einige unverständliche Worte. Es ist ein Wunder, dachte er, ein Wunder.

Der Wind hatte aufgefrischt, ein freundlicher Abendwind, der vom Meer landwärts strich und die Wärme des Wassers in sich trug Es wäre schön gewesen, noch einmal zu baden, dachte er, während er vom hinteren Teil der Terrasse zurückkam, um ins Haus zu gehen.

Vor Vieris Büste blieb er stehen. Sie stand in einer Ecke der Terrasse, dort, wo die Sträucher ein dichtes Gestrüpp bildeten und sie in manch einem Jahr zu überwuchern drohten. Sie war sein einziges Werk geblieben. Als habe sich sein ganzer Eifer an diesem einzelnen Stein verausgabt – erschöpft, dachte er. Später hatte es ihm genügt, Matteo bei der Arbeit zuzuschauen, genauso still in dessen Werkstatt zu sitzen, wie er es manchmal auch noch nach seinem Tod getan hatte.

Zum ersten Mal seit langer Zeit blieb er wieder vor der Büste stehen. Er betrachtete Vieris Augen, suchte in den vorspringenden Augäpfeln jene des Marinefliegers und jene seines Sohnes, und er war sich nicht sicher, was er sah. Er waren harte Augen, kalte Steinaugen, und Maximilian fielen Matteos Worte ein. „Der Stein weint nicht, es sind die Menschen, die weinen.“ Wie oft hatte er das gesagt, wenn er ihm begreiflich zu machen versuchte, dass der Stein nichts bedeutete, dass es seine Hände waren, die ihn formten, der Betrachter, der etwas in ihn legte, was ihn zu Tränen rührte, zum Weinen oder zum Lachen brachte. Der Stein war kalt und so tot, wie er es schon immer gewesen war.

Maximilian fasste das Kind fester und ging hinein. Die feuchte Wärme des Hauses legte sich auf ihn, und er musste kurz innehalten, sich gegen die Wand stützen, als ihm schwindlig wurde. Plötzlich hatte er Angst, er könnte fallen und im Sturz das Kind verletzen, das er trug. Mit unsicherem Schritt ging er ins Gästezimmer, in Lauras Zimmer, verbesserte er sich in Gedanken. Er ging leise, damit ihn niemand hörte. Als er schließlich das Kind in seinen Laufstall gesetzt hatte, atmete er schwer. Müde ließ er sich zu Boden sinken.

Hart klopfte das Herz in seiner Brust. Er schwitzte. Das Kind saß auf seiner Decke und spielte. Lange sah er dem Kind zu. Und während Maximilian ihm zusah, schien sich das Kind von ihm zu entfernen, aufzubrechen in eine ferne und ungewisse Zukunft, in der es einen Maximilian von Kampen nicht mehr gab, in der von ihm nur noch eine blank geschliffene Marmorplatte auf dem Friedhof von Mirteto übrig war.

Er selbst war fast hundert Jahre alt. Wie alt mochte sein Urenkel werden? Er dachte an die Fortschritte der Medizin, an das neue Jahrtausend, das in seiner Vorstellung ein großes, geschlossenes Tor war. Er stellte sich das Jahr 2100 vor, eine unwirkliche, eine hellblaue, fast weiße Zahl, die in seinem Kopf schwebte wie in einem luftleeren Universum. 2120. Würde es immer so weitergehen?

Und er dachte zurück, an das ferne Jahr 1900, ein erdbraunes, schmutziges Jahr, so verblichen wie eine alte Fotografie, an seine Kindheit, an den Großen Krieg, an den zweiten, an die elende Zeit dazwischen, an seinen eigenen Sohn, der es nicht geschafft hatte, der sich in den Jahren verloren hatte, wie so viele andere auch.

Wie konnte man weitergehen, vorwärts, wenn man das alles wusste? Wie viel Mut brauchte man, um zu überleben, wie viel unbändigen Lebenswillen? Was erwartete seinen Urenkel? Für einen Augenblick verkrampfte sich sein Herz, als ihm bewusst wurde, dass er ihn allein lassen musste, dass Massimiliano ohne ihn hinausgehen würde, so arglos und so blind, wie er selbst gegangen war. Er dachte an die schwarzen Vögel, die sich Abend für Abend draußen auf dem Meer sammelten, sich zusammenrotteten, um gemeinsam nach Osten zu fliegen. Er dachte an Pierino, seinen Enkel, vor den Kontrollschirmen in seinem fliegenden Pilz, und wünschte dem kleinen Massimiliano ein leichteres Los, als ihm selbst beschieden gewesen war.

Maximilian schloss die Augen. Ihm war immer noch schwindlig. Übelkeit stieg in ihm auf. Er war so müde, dass er meinte, jeden Augenblick einzuschlafen. Ohne die Kälte zu spüren, legte er den Kopf auf die Steinplatten.

Irgendwann wurde er ruhiger. Das Rauschen in seinen Ohren verstummte, und sein Kopf wurde klar.

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Dann hörte er die Stimmen. Sie drangen aus dem Wohnzimmer, helle Frauenstimmen, die wie Schwalben in seinem Kopf weiterflogen, und Männerstimmen, wie aus bauchigen Musikinstrumenten. Es waren viele Stimmen, und er wunderte sich ein wenig, sie erst jetzt zu hören. Er stand auf, leicht, sprang fast auf die Beine, wie er es in seiner Jugend getan hätte, und öffnete die Tür.

Alle waren sie da. Ungläubig sah er in die Runde. Sein erster Blick fiel auf Laura. Sie saß am Kopfende des Tisches und lud ihn ein, sich auf den freien Stuhl neben sie zu setzen. Am anderen Ende saß Vieri, sein Sohn, ebenfalls lächelnd. Dazwischen Piero und Maria. Stefano drehte sich um und nickte ihm zu. Neben ihm saß Gina. Selbst Gianluca war da, bleich und finster wie immer. Matteo, der rauchend trank, Vittoria in einem luftigen weißen Kleid. Schüchtern ging Maximilian auf sie zu.

 

Als Maximilian von Kampen schließlich gefunden wurde, schien er zu schlafen.

Annalisa kniete sich neben ihm. Sie legte ihm eine Hand auf die Stirn, fühlte an seinem Hals nach dem Puls. Sie sah auf: „Mein Gott, ich glaube, er ist tot!“

Nein, er war nicht tot, er lächelte unsichtbar, einige Augenblicke hatte er noch.

 

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Nachwort

Ein Roman ist nicht notwendigerweise der historischen Genauigkeit verpflichtet. Und so wird jemand, der sich die Mühe macht, die eine oder andere Angabe nachzuprüfen auf manch eine Ungereimtheit stoßen. Beispielsweise wurde der große Monolith nicht im Sommer 1925, sondern im Herbst 1928 gefunden. Der Autor sieht seine Aufgabe jedoch darin, zu verdichten, die Wirklichkeit so zu bearbeiten, dass sie kenntlich wird. Deshalb habe ich mir die Freiheit genommen, Begebenheiten und Personen zusammen zu führen, die vormals getrennt waren, Ereignisse und Handlungsträger zu verändern oder gar zu erfinden. Und doch gibt es das Stück Land, das im Mittelpunkt dieser Geschichte steht, es gibt die Marmorberge, und es gibt ihre Arbeiter. Und auch die Geschehnisse während der nationalsozialistischen Besatzung sind nicht fiktiv, so gerne der Leser oder der Autor es hätte.

Vieles, was ich über diese Zeit weiß, verdanke ich Oscar Lalli, meinem Großvater väterlicherseits, der einige Bücher über seine Erlebnisse als Politischer Kommissar einer Partisanenbrigade hinterlassen hat. Und so ist Stefano auch ein wenig Simone, das war der „Kampfname“ Oscars, auch wenn dieser in der Wirklichkeit nicht die Bürde von dessen Vergangenheit getragen hat.

Auch Vieri hat es gegeben, jenen Testflieger der Königlichen Italienischen Marine, der im Sommer 1919 ins Meer gestürzt ist und dessen Foto meine Kindheit und Jugend begleitet hat und noch heute auf der Kommode meiner Mutter steht. Eine Gestalt, die die Phantasie beflügelt, die träumen lässt.

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinem Bruder für seine Unterstützung bedanken. Ich bin auch Gian Franco Vené zu Dank verpflichtet. Sein dreibändiges Werk über den Alltag der Menschen im Italien des letzten Jahrhunderts ist unglaublich reich (Mille Lire al mese, Coprifuoco, Vola colomba). Vené versteht es, Geschichte lebendig zu machen. Einiges, was über die Zeit vor und nach dem zweiten Weltkrieg zu lesen ist, wurde von dieser Lektüre inspiriert.

 

Heidelberg, September 1999 – Februar 2002

 

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